Elterngeld Plus

Zum 1. Januar 2015 tritt es in Kraft, das neue Gesetz zum ElterngeldPlus mit Partnerschaftsbonus und einer flexibleren Elternzeit. Mütter und Väter, deren Kinder ab dem 1. Juli 2015 geboren werden, können das Basiselterngeld, das ElterngeldPlus und die Partnerschaftsbonusmonate kombinieren, wenn sie kurz nach der Geburt des Kindes wieder in Teilzeit arbeiten möchten. 

Änderungen durch das ElterngeldPlus im Überblick

„Doppelt so lang, halb so viel“ – so lautet die Devise. Bislang wird das Elterngeld, das sich am monatlichen Erwerbseinkommen vor der Geburt orientiert und mindestens 300 und maximal 1.800 Euro beträgt, höchstens für 14 Monate ausgezahlt – die zwei Partnermonate eingeschlossen. Wird in dieser Zeit wieder stundenweise gearbeitet, müssen empfindliche Kürzungen beim Elterngeld hingenommen werden. Mit der neuen Regelung können Eltern, die wieder in Teilzeit arbeiten gehen und deren Kinder ab dem 1. Juli 2015 geboren werden, bis zu 28 Monate staatliche Förderung bekommen. Aus einem Elterngeldmonat werden demnach zwei ElterngeldPlus-Monate. Voraussetzung: Der Umfang der Teilzeittätigkeit darf 30 Wochenstunden nicht überschreiten.

ElterngeldPlus fördert berufstätige Familien

Das neue ElterngeldPlus soll demnach vor allem Familien unterstützen, die frühzeitig nach der Geburt des Kindes wieder in den Job zurückkehren möchten. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend macht die Änderungen an einem Rechenbeispiel deutlich:

Einkommen der Mutter vor der Geburt des Kindes: 1.400 Euro / Monat
Elterngeldanspruch bei voller beruflicher Unterbrechung: 910 Euro / Monat (entspricht: 65
Prozent von 1.400 Euro)
Elterngeld insgesamt für zwölf Monate: 10.920 Euro (12 x 910 Euro)

Kehrt die Mutter beispielsweise nach sechs Monaten wieder in Teilzeit in ihren Beruf zurück, sieht das Ganze nach bisheriger Gesetzeslage so aus:

Voller Elterngeldanspruch für sechs Monate: 5.460 Euro (6 x 910 Euro)
Einkommen bei Teilzeitarbeit ab dem siebten Monat: 550 Euro / Monat

Das monatliche Einkommen hat sich folglich von 1.400 Euro auf 550 Euro verringert. Das bedeutet einen Einkommenswegfall von 850 Euro. An diesem berechnet sich nun die Höhe des Elterngelds für den siebten bis zwölften Monat:

Elterngeld bei Teilzeit ab dem siebten Monat: ca. 550 Euro / Monat (entspricht 65
Prozent von 850 Euro)
Elterngeld für den siebten bis zwölften Monat: ca. 3.315 Euro (6 x 550 Euro)
Monatliches Gesamteinkommen ab dem siebten Monat: 1.100 Euro (550 Euro + ca. 550 Euro)
Elterngeld insgesamt für zwölf Monate: ca. 8.775 Euro (5.460 Euro + 3.315 Euro)

Ab Juli 2015 können Eltern das Basiselterngeld auch mit dem ElterngeldPlus kombinieren. Die Berechnung des Elterngelds bei der Mutter in dem Beispiel sieht dann wie folgt aus:

Voller Elterngeldanspruch für sechs Monate: 5.460 Euro (6 x 910 Euro)
Einkommen bei Teilzeitarbeit ab dem siebten Monat: 550 Euro /Monat

Auch in diesem Fall hat sich das monatliche Einkommen von 1.400 Euro auf 550 Euro verringert, was einem Einkommenswegfall von 850 Euro entspricht. Wird nun das ElterngeldPlus in Anspruch genommen, sieht die staatliche Förderung folgendermaßen aus:

ElterngeldPlus bei Teilzeit: 455 Euro / Monat (berechnet sich aus
einem halben Elterngeldmonat: also 910 Euro/2)

Das Elterngeld wird halbiert, dafür verlängert sich die Bezugsdauer von sechs auf zwölf Monate:
ElterngeldPlus ab dem siebten Monat: 455 Euro x 12 Monate = 5.460 Euro
Monatliches Gesamteinkommen: 550 Euro + 455 Euro = 1005 Euro
Elterngeld und Elterngeld Plus für 18 Monate: 5.460 Euro + 5.460 Euro = 10.920
Euro

Fazit: Unterm Strich bekommt die Mutter, die in Teilzeit arbeitet, durch das ElterngeldPlus dieselbe staatliche Förderung wie eine Mutter, die die vollen zwölf Monate zu Hause bleibt. Sie muss keine finanziellen Einbussen mehr hinnehmen.

Besserstellung durch Partnerschaftsbonus

Nach der bisherigen Rechtslage sind Eltern, die sich nach der Geburt ihres Kindes Erwerbstätigkeit und Erziehung gleichberechtigt teilen, finanziell benachteiligt, weil die zusätzlichen zwei Partnermonate entfallen. Auch hier hat der Gesetzgeber nachgebessert. Künftig können Paare profitieren, wenn sie sich die Betreuung ihres Kindes teilen und zeitgleich für vier Monate zwischen 25 und 30 Wochenstunden arbeiten. Dann werden sie mit dem sogenannten Partnerschaftsbonus entlohnt, der für jeden vier zusätzliche ElterngeldPlus-Monate bringt. Dieser kann allerdings nur in Anspruch genommen werden, wenn sich dieser unmittelbar an den Elterngeld(Plus)-Bezug anschließt. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend veranschaulicht dies mit zwei Beispielen:

Kombination (Basis) Elterngeld, ElterngeldPlus und Partnerschaftsbonus

elterngeldplus_elterngeld_partnerschaftsbonus

KOMBINATION  ELTERNGELDPLUS UND PARTNERSCHAFTSBONUS

eltergeldplus_partnerschaftsbonus

Mehrwert für Alleinerziehende

Bisher können Alleinerziehende das Elterngeld bis zu 14 Monate beziehen. Die Voraussetzungen hier für sind, dass das Kind wirklich allein mit einem Elternteil lebt und das Aufenthaltsbestimmungsrecht nur diesem Elternteil zusteht. Diese Regelungen werden zum 1. Juli 2015 gekippt, was es für Alleinerziehende künftig einfacher machen wird, die staatlichen Förderungen ebenfalls bis zu 28 Monate lang zu erhalten. Um das ElterngeldPlus inklusive dem Partnerschaftsbonus jedoch voll ausschöpfen zu können, gilt auch hier: Die Arbeitszeit muss an vier aufeinanderfolgenden Monaten zwischen 25 und 30 Wochenstunden betragen.

Elterngeld für Mehrlinge

Die Verlierer der Reform sind wohl die Mehrlingseltern. Denn: Der doppelte Elterngeldanspruch wird zum 1. Januar 2015 aufgehoben. Das bedeutet, dass Eltern von Zwillingen oder Mehrlingen nur noch pro Geburt und nicht mehr pro Kind Anspruch auf Elterngeld haben. Sie bekommen demnach nur noch einmal Elterngeld ausgezahlt – plus einem Mehrlingszuschlag in Höhe von 300 Euro pro Kind.

Mehr Familienzeit dank flexibler Elternzeit

Die Elternzeit wird flexibler. Ab dem 1. Januar 2015 können Mütter und Väter bis zu 24 Monate nicht genutzte Elternzeit auch noch zwischen dem dritten und achten Lebensjahr des Kindes nehmen. Bislang waren dies lediglich 12 Monate. Außerdem kann die unbezahlte Auszeit vom Job künftig in drei Abschnitte, nicht wie bisher nur in zwei, aufgeteilt werden. Eine Zustimmung des Arbeitgebers ist nicht mehr notwendig. Er muss aber bis zu 13 Wochen vorher darüber informiert werden. Eine Ausnahme gibt es: Liegen dringende betriebliche Gründe vor, kann der Arbeitgeber im dritten Abschnitt einen beantragten Zeitraum ablehnen.

Einzelfallentscheidung: Basiselterngeld oder ElterngeldPlus?

Basiselterngeld oder ElterngeldPlus? Diese Frage dürfen sich ab Juli 2015 alle frisch gebackenen Eltern stellen. Wer ohnehin nicht vorhat, in den ersten Monaten nach der Geburt wieder zu arbeiten, für den ist das Basiselterngeld zunächst wohl das richtige Mittel der Wahl. Das ElterngeldPlus ist in jedem Fall interessant, wenn die Eltern nach der Geburt des Kindes schnell wieder zurück in den Job möchten. Damit (werdende) Eltern bereits vor der Geburt des Nachwuchses herausfinden können, welche Fördermöglichkeiten für sie sinnvoll sind, möchte das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend seinen Elterngeldrechner im Serviceportal „Familien-Wegweiser“ zeitnah aktualisieren, damit über diesen künftig auch Kombinationen von Elterngeld und ElterngeldPlus berechnet werden können. Darüber hinaus lassen sich offene Fragen am besten durch eine eingehende Beratung bei der zuständigen Elterngeldstelle klären.

Weiterführende Informationen zum Thema:

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Informationen zum Elterngeld
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Zahlen und Fakten