Kindergeld Anspruch für volljährige Kinder

Kindergeld VolljährigeAnders als bei minderjährigen Kindern, wo das Kindergeld bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres ohne weitere Bedingungen gezahlt wird, müssen bei volljährigen Kindern ein paar Voraussetzungen für den Bezug von Kindergeld beachtet werden. Der folgende Ratgeber befindet sich auf dem aktuellen Stand des Jahres 2016.

Keine Einkommensanrechnung mehr

Hierfür ist zwingende Voraussetzung, ob sich das Kind gerade in Ausbildung befindet oder gar arbeitslos ist. Auch spielte das Einkommen bis einschließlich 2011 (Freigrenze von 8.004 Euro jährlich) des volljährigen Kindes eine elementare Rolle für die Weitergewährung von Kindergeld, die allerdings ab 2012 ersatzlos weggefallen ist.

Volljährige Kinder werden unter Berücksichtigung ihres Ausbildungsstatus und nicht mehr anhand des Einkommens berücksichtigt. Dabei gibt es zwei Arten beim Kindergeld Anspruch von volljährigen zu unterscheiden:

Kinder ohne Berufsausbildung/ abgeschlossenem Studium

Kinder, die noch keine Berufsausbildung absolviert oder ein Studium abgeschlossen haben erhalten in der Wartezeit auf einen Ausbildungsplatz, während der ersten Berufsausbildung oder in der Übergangszeit zwischen zwei Ausbildungsabschnitten ohne weitere Voraussetzung Kindergeld. Dabei ist es unerheblich, in welchen zeitlichen Umfang sie einer Erwerbstätigkeit nachgehen oder wie viel Einkommen sie verdienen.

Kinder mit Berufsausbildung/ abgeschlossenem Studium

Sollten volljährige Kinder bereits über eine Ausbildung bzw. ein absgeschlossenes Studium verfügen und auf einen weiteren Ausbildungsplatz warten, sich in einer weiteren Ausbildung oder der Übergangszeit zwischen zwei Ausbildung befinden, erhalten Kindergeld nur, wenn die Erwerbstätigkeit, der sie nachgehen, unschädlich ist. Unschädlich für den Kindergeldanspruch volljähriger Kinder ist die Erwerbstätigkeit dann, wenn:

  • es sich um Einkommen aus einem Ausbildungsverhältnis handelt (Ausbildungsvergütung)
  • es sich um Einkommen aus einer geringfügigen Beschäftigung handelt (Minijob, 450-Euro-Job)
  • die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit 20 Stunden nicht überschreitet

In den nachfolgenden Absätzen finden Sie die Bedingungen, unter denen das Kindergeld über das 18. Lebensjahr hinaus, gezahlt wird.

Kindergeld nur bis zum 25. Lebensjahr

Grundsätzlich ist eine Förderung durch Kindergeld nur bis zu Vollendung des 25. Lebensjahres möglich. Für die Jahrgänge 1981 bis 1983 gab es eine Übergangsregelung, die nach dem Geburtstag wie folgt gestaffelt war:

  • bis einschließlich 01.01.1982 geboren: bis Vollendung des 27. Lebensjahres
  • zwischen 02.01.1982 und 01.01.1983 geboren: bis Vollendung des 26. Lebensjahres
  • ab 02.01.1983 geboren: bis Vollendung des 25. Lebensjahres

Diese Übergangsregelung ist allerdings letztmalig in 2010 ausgelaufen, wenn man Jahrgänge von 1982 und einen möglichen, abgeleisteten Wehr- oder Zivildienst (ab 01.07.2011 ausgelaufen) berücksichtigt.

Bei Kindern mit Behinderung kann die Altersgrenze von 25 Jahren entfallen. Weitere Informationen hierzu:

Bei arbeitslosen Kindern, die bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet sind, wird Kindergeld über das 18. Lebensjahr hinaus bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres gezahlt

Auszahlung über das 25. Lebensjahr hinaus

Über das 25. Lebensjahr hinaus kann einer Auszahlung von Kindergeld an Kinder in Schul-, Berufsausbildung oder Studium nur erfolgen, wenn das Kind den gesetzlichen Grundwehr- bzw. Zivildienst abgeleistet hat oder eine von diesen Diensten befreiende Tätigkeit als Entwicklungshelfer ausübte. Der Zeitraum der Ableistung des Dienstes wird auf die Bezugsdauer über das 25. Lebensjahr aufaddiert. Ferner erhöhte eine freiwillige Verpflichtung zum Wehrdienst von nicht mehr als drei Jahren die Bezugsdauer des Kindergeldes.

Die Wehrpflicht ist allerdings zum 01.07.2011 ausgelaufen. Die Ableistung des Bundesfreiwilligendienstes erhöht die Kindergeldbezugsdauer aber nicht, da es sich hierbei nicht um einen gesetzlichen Grundwehrdienst handelt.

Wichtig ist, dass sich die Bezugsdauer nur höchstens um die Zeit des gesetzlichen Grundwehrdienstes bzw. Zivildienstes verlängert, die Eltern aber während der Zeit der Dienste grundsätzlich kein Kindergeld erhalten.

Kind in Ausbildung oder Studium

Kindergeld wird für Kinder zwischen dem 18. Und dem 25. Lebensjahr nur gezahlt, solange sich diese in einer Ausbildung oder Studium befinden. Diese Ausbildung muss auf ein bestimmtes Berufsziel hinarbeiten und dem Kind die Fähigkeiten vermitteln, diesen Beruf ausüben zu können. Die Kindergeld Auszahlung endet spätestens mit dem Schuljahr, bei Ausbildung oder Studium mit dem Monat, in dem schriftlich das offizielle Prüfungsergebnis bekannt gegeben wurde. Hierbei spielt es keine Rolle, ob der Ausbildungsvertrag für einen längeren Zeitraum abgeschlossen wurde oder das Kind weiterhin bei der Universität / Fachhochschule immatrikuliert bleibt.

Einen ausführlichen Beitrag zum Kindergeld in der Ausbildung, insbesondere die Unterscheidung der Erst- und Zweitausbildung finden Sie hier.

Anerkannte Schulformen der Ausbildung für das Kindergeld:

  • Allgemeinbildende Schule
  • Fachoberschule
  • Berufskolleg/ Berufsfachschule
  • Berufsakademie
  • Fachhochschule
  • Hochschule / Universität
  • Betriebliche Ausbildung

Muss die Ausbildung oder das Studium wegen Krankheit oder Mutterschaft vorübergehend unterbrochen werden, so besteht weiterhin Kindergeldanspruch. Diese Unterbrechung darf aber keine Unterbrechungszeit zur Kinderbetreuung nach Ablauf der Mutterschutzfrist sein, was zum Beispiel bei der Elternzeit der Fall wäre. In diesem Fall wird kein Kindergeld gezahlt.

Übergangszeit zwischen Schulabschluss und Ausbildung

Kindergeld kann für eine Übergangszeit von vier Monaten zwischen dem Schulabschluss und einer darauf folgenden Berufsausbildung  gezahlt werden. Dies gilt auch für die Zeiten zwischen dem Schulabschluss und dem Wehr- bzw. Zivildienst oder einem entsprechenden Ersatzdienst, sowie einem Freiwilligen Sozialen bzw. Ökologischen Jahr.  Hierbei sind auch der Europäische Freiwilligendienst sowie der Auslandsdienst nach dem Zivildienstgesetz eingeschlossen. Ist die Übergangszeit länger, so wird das Kindergeld trotzdem nur für vier Monate gezahlt.

Voraussetzungen sind jedoch, dass der Dienst angetreten wird oder die Berufsausbildung tatsächlich begonnen wird.

Kind ohne Ausbildungsplatz

Für ein Kind ohne Ausbildungsplatz steht Kindergeld ab dem 18. Lebensjahr bis zum 25. Lebensjahr zu. Dies gilt aber nur, wenn das Kind eine Ausbildung beginnen möchte, dieses aber wegen Fehlens eines Ausbildungsplatzes nicht möglich ist. In diesem Fall kann das Kind ohne Ausbildungsplatz nur berücksichtigt werden, wenn es trotz ernsthafter Bemühungen um einen Ausbildungsplatz eine Ausbildung zum frühestmöglichen Zeitpunkt wegen Erfolglosigkeit der Bemühungen nicht antreten kann. Die Erfolglosigkeit der Bemühungen ist z.B. durch Absagen auf die getätigten Bewerbungen nachzuweisen oder glaubhaft zu machen.

Auch gilt als Nachweis, wenn das Kind bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit oder einem vergleichbaren Leistungsträger für Arbeitslosengeld II als Bewerber auf einen Ausbildungsplatz oder Bildungsmaßnahmen registriert und geführt wird.

Kind arbeitslos

Ist das Kind ohne Beschäftigungsverhältnis bei der Agentur für Arbeit oder einem vergleichbaren für Arbeitslosengeld II zuständigen Leistungsträger als arbeitssuchend gemeldet, so wird das Kindergeld über das 18. Lebensjahr hinaus, bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres gewährt.

Zu beachten ist, dass ein Mini-Job sprich, eine geringfügige Beschäftigung mit einem Monatseinkommen von nicht mehr als 450 Euro den Anspruch auf Kindergeld nicht ausschließt.

Sollte das zu berücksichtigende Kind bereits seinen Grundwehrdienst, Zivildienst oder einen vergleichbaren und anerkannten Dienst abgeleistet haben, so wird für diese Zeit das Kindergeld über das 21. Lebensjahr hinaus gezahlt.

Meldung alle drei Monate

Nach aktueller Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes (BFH) Az.: III R 66/05 und III R 68/05 vom 19.06.2008 muss eine Meldung bei der Agentur für Arbeit im Falle von Arbeitslosigkeit bzw. Ausbilungsplatzsuche alle drei Monate erfolgen, da sonst der Kindergeldanspruch erlöscht. 

Anrechnung von Einkommen des volljährigen Kindes

Die bisherige Regelung beim Kindergeld bis einschließlich 2011 sah vor, dass jedes Einkommen von volljährigen Kindern unter Berücksichtigung einer Freigrenze von 8.004 Euro jährlich angerechnet würde. Wurde die Grenze auch nur um einen Euro überschritten, entfiel der Kindergeldanspruch für volljährige Kinder vollständig und im schlimmsten Fall musste hier eine Rückzahlung geleistet werden.

Ab dem Jahr 2012 ist die Einkommensanrechnung vollständig weggefallen und richtet sich nach dem Ausbildungsstatus des volljährigen Kindes. Ausführliche Informationen zur Anrechnung des Einkommens bei Volljährigen finden Sie im Artikel:

Letzte Aktualisierung: 20.05.2016

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